Vom Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung zur BiM – Bildung im Mittelpunkt GmbH
05.09.2026
Am 30. September jährt sich der Tag, an dem ich pensionsbedingt meine Tätigkeit als Geschäftsführer der BiM - Bildung im Mittelpunkt GmbH beendet habe, ein letztes Mal die Tür zu meinem Büro in der BiM Zentrale in der Anschützgasse hinter mir geschlossen und die ersten Schritte in eine neue Lebensphase gesetzt habe.
Fast neun Jahre zuvor, Anfang Jänner 2017 hatte ich diese Zentrale mit neugieriger Anspannung und durchaus auch Vorfreude das erste Mal betreten, als neu bestellter Geschäftsführer des damaligen Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung.
Ich hatte mich für diese Aufgabe beworben, nachdem ich ebenfalls an einem 30. September, nämlich jenem des Jahres 2016, die Tür eines anderen Geschäftsführerbüros hinter mir geschlossen hatte, jenes in der Zentrale der Wiener Volkshochschulen in der Lustkandlgasse. Wie in einem früheren Beitrag beschrieben, war ich dort nach acht spannenden Jahren als VHS Chef an einem Punkt angelangt, an dem ich meine Wirkungsmöglichkeiten in der VHS ausgeschöpft hatte und das erreicht hatte, was mir in den bestehenden Konstellationen möglich war. Und daher sowohl für die VHS und ihren weiteren Weg als auch für mich und meinen weiteren persönlichen Weg ein Wechsel sinnvoll und notwendig erschien.
Wohin mich dieser persönliche Weg führen würde, war für mich zunächst noch völlig offen. Aber es gab durchaus einige konkrete Optionen. Ich wollte jedenfalls dort Verantwortung übernehmen, wo ich aus meiner Sicht mit meiner Erfahrung am wirkungsvollsten zu meinen Kernanliegen, Bildungsgerechtigkeit, Vielfalt und Teilhabe beitragen konnte.
Als ich davon Kenntnis erhielt, dass der Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung eine neue Leitung suchte, war sofort mein Interesse geweckt.
Diese Organisation und ihre Arbeit an den Wiener Schulen war mir durchaus bekannt und bis zu einem gewissen Ausmaß auch vertraut.
Einerseits, weil wir als VHS mit unserem Institut für Kindergarten- und Hortpädagogik über lange Zeit die Ausbildungslehrgänge für die Freizeitpädagog:innen des Vereins durchgeführt hatten. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als diese Ausbildung als Hochschullehrgang an den Pädagogischen Hochschulen implementiert wurde.
Wobei die VHS Lehrgänge in ihrer Qualität durchaus mit den späteren Hochschullehrgängen mithalten konnten, nicht zuletzt in der engen Verknüpfung von Theorie und Praxis. Aber leider nicht des formalen Status eines akademischen Lehrgangs bieten konnten. Ein Manko übrigens, das leider bis heute weiter besteht, was ich schade finde, da sich die Erwachsenenbildung in ihrer Ausbildungsqualität nicht vor universitären Einrichtungen verstecken muss.
Andererseits war mir die Arbeit des Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung auch noch aus meiner Zeit an der VHS Ottakring vertraut. Denn dort wurde das Pilotprojekt „Interkulturelle Lernbetreuung“ (kurz: IKL) entwickelt, das dann Anfang der 1990er Jahre im Rahmen der Wiener Volkshochschulen als wienweite mehrsprachige Lernbetreuung für Kinder an Wiener Pflichtschulen ausgerollt wurde. Mit diesem Projekt verbunden war eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung innerhalb der Wiener Volkshochschulen zu Fragen der interkulturellen und mehrsprachigen Kinderbildung, zu der wir als VHS Ottakring mit unserer Erfahrung wesentlich beitragen konnten. Nach der überraschenden und ziemlich abrupten Beendigung dieses Projekts im Rahmen der VHS nach nur wenigen Jahren wurden dann zahlreiche ehemalige Mitarbeiter:innen des IKL Projekts im 1995 neu gegründeten Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung übernommen, die mit ihrem wertvollen Kompetenzen dort ein neues Arbeitsfeld fanden. Und ich würde dann später auch etliche von ihnen, die ich noch aus der damaligen Zusammenarbeit in der VHS kannte, dort wiedertreffen.
Ich begann mich in Folge mich weiter vertiefend mit dem Verein Wiener und Jugendbetreuung und dessen Arbeit und Wirkungsfeld auseinanderzusetzen. Und mir wurde dabei rasch klar, dass das der Ort war, an dem ich künftig wirken wollte.
Ich entwarf ausgehend von den mir zur Verfügung stehenden Informationen mögliche Zukunftsstrategien und -szenarien und präsentierte diese Konzepte und Ideen auch im Zuge des mehrstufigen Bewerbungsprozesses. Und wurde dann auf dieser Basis dann Ende des Jahres von der Stadt Wien als neuer Geschäftsführer bestellt.
Der Start in dieser neuen Aufgabe war für mich gekennzeichnet von einer Mischung aus Entdecken und Lernbereitschaft einerseits und andererseits dem Anliegen, meine Erfahrung in die Stärkung der Arbeit der Freizeitpädagogik an Schulen einzubringen.
Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit in den ersten Wochen und Monaten bestand daher sowohl im Fragen und Zuhören als auch im Erzählen. Mit vielen Gesprächen in der Zentrale, in direkten Austausch mit den Pädagog:innen bei Großveranstaltungen der internen Fortbildung, aber vor allem mit zahlreichen Standortbesuchen, um die Teams und ihr Arbeitsumfeld an den Schulen gut kennenzulernen. Und auch, um in den persönlichen Austausch mit den jeweiligen Schulleitungen zu gehen, ebenso wie fallweise auch mit den jeweiligen Elternvertreter:innen. Und so konnte ich im ersten Jahr viele neue Eindrücke durch diese immer wieder spannenden, wenn auch oft herausfordernden Begegnungen gewinnen.
Diese Eindrücke bestärkten mich in meiner Sicht, dass die Freizeitpädagog:innen mit ihren Zugängen und Möglichkeiten einen einzigartigen Beitrag für die Bildungsarbeit mit Kindern leisten konnten. Nicht zuletzt aufgrund ihrer außergewöhnlichen Diversität, ihrer mit- und eingebrachten vielfältigen Lebens- und Berufserfahrungen. Womit sie den Schulen und den Kindern viele Fenster zur Welt öffnen konnten.
Ich realisierte zugleich aber auch, dass diese Arbeit, ihre mögliche Wirkung und das Potenzial, das darin lag, vielfach unterschätzt und unterbewertet oder sogar abgewertet wurden. Innerhalb des Schulsystems, bei den involvierten Eltern, ebenso wie in der Öffentlichkeit. Und zudem auch viel zu wenig sichtbar war.
Darum war es für mich eines der dringlichsten Ziele, die Arbeit der Freizeitpädagog:innen an den Schulen in ihrem Stellenwert zu stärken und sichtbarer zu machen. Als Beitrag der gemeinsamen pädagogischen Arbeit an ganztägigen Schulen mit speziellen Qualitäten, in guter Zusammenarbeit und auf Augenhöhe mit den Lehrkräften. Und nicht als betreuende Hilfskräfte, als die sie leider durchaus oft sowohl betrachtet und auch so abgehandelt wurden.
Ein wichtiger nicht nur symbolischer Schritt war dabei, sie nicht mehr als „Freizeitbetreuer:innen“ zu bezeichnen, wie es damals durchaus gängig war, sondern viel zutreffender als „Freizeitpädagog:innen“. Weil ihre Arbeit eben eine pädagogische war, und nicht bloße „Betreuung“ im engeren Sinn, also als reine Beaufsichtigung und allenfalls Beschäftigung der Kinder, wie etwa in der Kinderbetreuung eines Einkaufszentrums. Eine pädagogische Arbeit, die in sinnvoller Verbindung mit der Unterrichtstätigkeit der Lehrer:innen wirken kann und einen entscheidenden Vorteil hat: Freizeitpädagog:innen müssen keinen Lehrplan durchziehen und Bewertungen durch Noten erteilen. Sie sind daher wichtige Bezugspersonen für Kinder außerhalb des leider üblichen Leistungsdrucks und Prüfungsstresses an Schulen und können direkt bei den aktuellen Bedürfnissen der Kinder anknüpfen.
Es war ein zäher Weg, durchaus vergleichbar mit jenem im Kindergartenbereich von der „Kindergartentante“ zur Elementarpädagog:in. Und ich freue mich, dass inzwischen, fast 10 Jahre später, ganz selbstverständlich von „Freizeitpädagog:innen“ gesprochen wird, und längst nicht mehr von „Betreuer:innen“. Was die Arbeit an Schulen und deren Wahrnehmung auf Augenhöhe betrifft, ist dieser Weg allerdings nicht nicht ganz zu Ende gegangen, da gibt es durchaus vielerorts noch Luft nach oben. Aber auch diesbezüglich ist in diesen Jahren viele weitergegangen.
Ein besonderer Aspekt war und ist dabei die bereits erwähnte soziale und kulturelle Diversität der Freizeitpädagog:innen. Sie können damit eine Brücke zu den Kinder, ihren Familien und deren sehr unterschiedliche Lebensrealitäten bilden und zugleich mit ihren eigenen Bildungswegen auch bestärkendes „Role Model“ sein, weil viele von ihnen selbst aus ähnlichen sozialen Kontexten kommen und oft auch trotz Bildungsbenachteiligung und struktureller Diskriminierungshürden ihre eigenen Wege gefunden haben und diese auch gegangen sind. Und sie übernehmen damit nicht nur pädagogische Aufgaben im engeren Sinn, sondern wirken sehr stark auch sozial-integrativ.
Ein einzigartige Ressource ist dabei die von vielen mitgebrachte Mehrsprachigkeit. Die bis dato sowohl innerhalb des Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung als auch an den Schulen im besten Fall ignoriert, aber leider oft auch als problembehaftete Abweichung oder gar Störung betrachtet wurde. Und die mit dem Stehplatz: „Die können nicht ordentlich Deutsch!“ vom Tisch gewischt wurde.
Manchmal mit besonders abfälligen Aussagen wie: „Wenn ich die Deutsch reden höre, dann rollt’s mir die Zehennägel auf!“ Ich machte mir dann in diesem konkreten Fall ein persönliches Bild davon, durch ein persönliches Gespräch mit den beiden derart attributwerten Freizeitpädagog:innen. Ich konnte mich interessanterweise problemlos uns angeregt mit den beiden auf Deutsch inhaltlich austauschen und meine Zehennägel blieben dabei völlig gelassen. Und ich konnte - auch mit meinem fachlichen Blick als ehemaliger Deutschkursleiter - nicht nachvollziehen, worin das massive Problem bei den Deutschkenntnissen der beiden Mitarbeiter:innen bestehen sollte. Sondern konnte nur vermuten, dass dies vielmehr der ablehnenden Haltung den beiden gegenüber aufgrund deren Herkunft entsprang.
Und solche Wahrnehmungen waren leider nicht nur ein Einzelfall.
Übersehen und ignoriert wurde dabei oft, dass die Freizeitpädagog:innen mit ihrer kulturellen Diversität und Mehrsprachigkeit eine einzigartige Bereicherung in die ansonsten vielerorts personell immer noch ziemlich monokulturell und monolingual aufgestellten Schulen einbrachten. Im Gegenteil, ich hatte durchaus den Eindruck, dass diese interkulturelle, mehrsprachige Öffnung von Manchen eher als Bedrohung der bestehenden Schulkultur wahrgenommen wurde.
Eine Versachlichung der Diskussion, und darauf aufbauend Rückenstärkung einerseits und Überzeugungsarbeit andererseits waren angesagt. Bei den Freizeitpädagog:innen selbst, in der Zentrale, aber ganz besonders bei Schulleitungen, Lehrkräften und Eltern.
Etwa indem mit dem verbreiteten Mythos aufgeräumt wird, Kinder könnten von Pädagog:innen ein „falsches Deutsch“ lernen, was den sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht, wie Spracherwerbsprozesse bei Kinder tatsächlich ablaufen. Aber sich offensichtlich in vielen Köpfen als Vorurteil festgesetzt hat.
Und als Beitrag zur Versachlichung und Evidenzfundierung einmal zu erheben, welche mündlichen und schriftlichen Kompetenzen Freizeitpädagog:innen im ihren Arbeitsalltag und der Kommunikation mit den Kindern, aber ebenso innerhalb der Schule bzw. mit den Eltern eigentlich tatsächlich benötigten. Was bisher noch nie erfolgt war. Ich beauftragte mit dieser Praxisanalyse Expert:innen des „lernraum“ Instituts der Wiener Volkshochschulen, die dann auf Basis des so erstellten Sprachkompetenzrasters ein Erhebungstool entwickelten, das in Auswahlverfahren gut handhabbar integriert werden konnte.
Und um unsere Pädagog:innen zu ermutigen und zu unterstützen, ihre mitgebrachte Mehrsprachigkeit in die Arbeit mit den Kindern in den Schulen sinnvoll einzubringen, ließ ich in Folge einen Leitfaden unter dem Titel „Unsere Schule spricht viele Sprachen“ mit Informationen und Handlungsvorschlägen entwickeln und erstellen, der nicht nur den Freizeitpädagog:innen, sondern unter anderem auch den Schulleitungen zur Verfügung gestellt wurde.
Diese Stärkung einer vielfältigen Freizeitpädagogik war eingebettet in eine völlige Neuausrichtung des Umgangs miteinander und der internen Kommunikation. Mit einer Kultur des Vertrauens und einer Kommunikation, die auf Offenheit, Dialog und Wertschätzung setzte, statt auf Misstrauen, autoritäre Befehlsausgabe und Abwertung.
Ich kann mich noch erinnern, welche fast ungläubige Verwunderung es auslöste, als ich mich die ersten Male bei Großveranstaltungen auftauchte und mich einfach auf die Bühne stellte und mich den Fragen ebenso wie der Kritik der Mitarbeiter:innen stellte. Und dann auch sehr offen darauf antwortete, versuchte, zu erläutern, Einblicke zu geben und klar zu sagen, was ich dazu denke. Und nicht in Allgemeinplätze auszuweichen und um den heißen Brei herum zu reden. Auch wenn nicht jede Antwort und Aussage von mir jeden und jede inhaltlich zufrieden stellte - was ja auch gar nicht möglich ist. Ich stellte klar, was aus meiner Sicht möglich ist und was nicht, und auch immer mit einer möglichst nachvollziehbaren Begründung, warum oder warum nicht.
Weil ich mir denke, dass Mitarbeiter:innen ein Recht auf diese Ehrlichkeit habe. Und auch ich selbst es als durchaus befreiend erlebt habe, Klartext zu sprechen. Auch wenn das auch immer wieder durchaus sehr herausfordernd und anstrengend war, mich allen Fragen und vor allem auch der Kritik zu stellen.
Parallel dazu richtete sich in einer Verantwortung als Geschäftsführer meine Aufmerksamkeit auf die internen Strukturen und Abläufe im Verein. Da wurde für mich rasch sichtbar, dass Vieles davon weder zeitgemäß noch der inzwischen erreichten Größe der Organisation angemessen war.
Und ich begann in Abstimmung mit dem Vereinsvorstand und der Stadt Wien rasch Schritte zur Professionalisierung und Reorganisation des überalterten Rahmens zu setzen, von den Vereinsstatuten über die Leitungsstrukturen in der Zentrale bis hin zum Auslichten der überbordenden Kontrollbürokratie und dem konsequenten Hinterfragen der Sinnhaftigkeit von Regelungen und Abläufen. Hin zu mehr Vertrauen und Selbstverantwortung, sowohl in der Zentrale als auch an den Standorten.
Letzteres vor allem durch die Einführung einer bisher noch nicht existierenden Funktion, nämlich von Teamleitungen an den Schulen, gemeinsam mit einem Regionalmanagement als deren Gegenüber in der Zentrale. Eine Funktion, die bei ihrer Einführung auf massive Skepsis, zum Teil auch offene Ablehnung vor allem seitens mancher Schulleitungen stieß, die aber heute aus dem Schulbetrieb nicht mehr wegzudenken ist und als wesentliche Entlastung im Schulmanagement gesehen wird.
Die von mir vorangetriebenen Veränderungsprozesse erhielt dann nochmals massiven Rückenwind durch einen Prüfbericht des Bundesrechnungshofs im Jahr 2018, der schwerwiegende Mängel im früheren Vereinsmanagement offenlegte, etwa in Hinblick auf mangelnde Transparenz, fehlende sachliche Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und Regelungen und unzureichende Kontrollstrukturen. Zugleich bestätigte der Prüfbericht auch, dass die von mir als Geschäftsführer in diesem ersten Jahr bereits etliche Veränderungsschritte in die richtige Richtung gesetzt worden oder zumindest veranlasst wurden, und diese konsequent weitergetrieben und vertieft werden sollten.
Leider löste dieser Rechnungshofbericht auch ein beträchtliches negatives mediales Echo aus, das den Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung und damit indirekt auch die Wahrnehmung der pädagogische Arbeit der Freizeitpädagog:innen (die von dieser Kritik eigentlich nicht betroffen war) massiv beschädigte. Mir war klar, dass wir rasch und kompromisslos Schritte für eine Bereinigung der Altlasten und einen Neustart setzen mussten. Und ich erhielt auf der Basis meiner Vorschläge den Auftrag der Stadt Wien, den Verein in den bisherigen Form zu schließen und die Organisation als gemeinnützige GmbH der Stadt Wien, mit klaren und transparenten Kontrollstrukturen, neu aufzusetzen. Nach einem gemeinsamen Brainstorming war dann auch der passende Name dieses neuen Bildungsunternehmens gefunden: Die BiM - Bildung im Mittelpunkt GmbH.
Meine Aufgabe war nun, diesen Übergangsprozess vom alten Verein zur neu zu gegründenden BiM GmbH in allen rechtlichen und organisatorischen Aspekten vorzubereiten und dann auch in relativ kurzer Zeit, nämlich bis Ende des Jahres umzusetzen.
Ein Vorgang, der mir nicht neu war. Hatte ich doch zehn Jahre zuvor die Zusammenführung der 18 Wiener Volkshochschulvereine zu einer gemeinsamen VHS GmbH mitorganisiert und letztendlich auch verantwortlich auf den Boden gebracht. Diese wertvollen Erfahrungen konnte ich in den laufenden Reorganisationsprozess einbringen und sie trugen sicherlich dazu bei, dass wir gemeinsam mit der Stadt Wien diese Transformation dann auch zeitgerecht und gut abschließen konnten. Und mit Jänner 2019 nahm dann die neu gegründete BiM GmbH ihre Arbeit auf. Für die zu diesem Zeitpunkt etwa 1.500 Freizeitpädagog:innen änderte sich wenig und doch viel. Arbeitsrechtlich war das ein gesicherter Vorgang, nachdem es sich um einen Betriebsübergang mit der Wahrung aller Rechte und Pflichten handelte. Und im Prinzip änderte sich nur der Name des Dienstgebers am Dienstvertrag und am Gehaltszettel.
Und doch bedeutete das durchaus für viele eine spürbare Veränderung. Die identitätsbildende Wiener Kinder- und Jugendbetreuung, die für viele intern wie extern einfach „der Verein“ gewesen war, gab es nun nach über 20 Jahren plötzlich nicht mehr. Und anstelle des Begriffs „Betreuung“ war nun der Begriff „Bildung“ in den Namen unserer Organisation getreten.
Womit sich einige vorerst schwer taten, wie mir unter anderem bei der offenen Diskussion anlässlich des Kick-off-Events für die neue GmbH in der Wiener Stadthalle bewusst wurde. Denn zu meiner Überraschung war es für manche ein Problem, ihre freizeitpädagogische Arbeit mit „Bildung“ in Verbindung zu bringen. Weil es doch „Freizeit“ wäre und nicht „Bildung“ im Sinn von Unterricht. Mir wurde dadurch klar, dass noch gemeinsam viel über unseren Bildungsbegriff reden müssten und unserem Verständnis von Freizeitpädagogik als integrierter Teil einer schulischen Bildung. Nicht nur außen außen, sondern auch intern. Eines Begriffs von Bildung in einer Schule, die nicht nur auf Unterricht als deren Kern ausgerichtet ist, sondern ebenso sich als vielfältiger und offener Erfahrungsraum versteht. Ein Begriff von Bildung, die nicht nur auf das kognitive Lernen, sondern ebenso auf das soziale und emotionale Lernen abzielt.
Es war nun somit der rechtliche Rahmen für den Neustart gesetzt, es gab die neu gegründete GmbH, es gab eine Geschäftsführung und neu bestellte Prokurist:innen, und es gab einen soeben konstituierten Aufsichtsrat als Kontrollgremium. Dieser Rahmen musste nun mit von Grund auf erneuerten, zeitgemäßen und gut funktionierenden Management - und Organisationssystemen gefüllt und eingerichtet werden.
Zugleich klopften mögliche spannende neue inhaltliche Aufgaben und Projekte an die Tür der BiM, etwa die sich gerade entwickelnden Summer City Camps als neues wienweites Ferienprogramm der Stadt Wien. Wie wir das alles in Folge in der BiM auf- und ausgebaut haben, darüber erzähle ich dann gerne in einem weiteren Beitrag.
Fast neun Jahre zuvor, Anfang Jänner 2017 hatte ich diese Zentrale mit neugieriger Anspannung und durchaus auch Vorfreude das erste Mal betreten, als neu bestellter Geschäftsführer des damaligen Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung.
Ich hatte mich für diese Aufgabe beworben, nachdem ich ebenfalls an einem 30. September, nämlich jenem des Jahres 2016, die Tür eines anderen Geschäftsführerbüros hinter mir geschlossen hatte, jenes in der Zentrale der Wiener Volkshochschulen in der Lustkandlgasse. Wie in einem früheren Beitrag beschrieben, war ich dort nach acht spannenden Jahren als VHS Chef an einem Punkt angelangt, an dem ich meine Wirkungsmöglichkeiten in der VHS ausgeschöpft hatte und das erreicht hatte, was mir in den bestehenden Konstellationen möglich war. Und daher sowohl für die VHS und ihren weiteren Weg als auch für mich und meinen weiteren persönlichen Weg ein Wechsel sinnvoll und notwendig erschien.
Wohin mich dieser persönliche Weg führen würde, war für mich zunächst noch völlig offen. Aber es gab durchaus einige konkrete Optionen. Ich wollte jedenfalls dort Verantwortung übernehmen, wo ich aus meiner Sicht mit meiner Erfahrung am wirkungsvollsten zu meinen Kernanliegen, Bildungsgerechtigkeit, Vielfalt und Teilhabe beitragen konnte.
Als ich davon Kenntnis erhielt, dass der Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung eine neue Leitung suchte, war sofort mein Interesse geweckt.
Diese Organisation und ihre Arbeit an den Wiener Schulen war mir durchaus bekannt und bis zu einem gewissen Ausmaß auch vertraut.
Einerseits, weil wir als VHS mit unserem Institut für Kindergarten- und Hortpädagogik über lange Zeit die Ausbildungslehrgänge für die Freizeitpädagog:innen des Vereins durchgeführt hatten. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als diese Ausbildung als Hochschullehrgang an den Pädagogischen Hochschulen implementiert wurde.
Wobei die VHS Lehrgänge in ihrer Qualität durchaus mit den späteren Hochschullehrgängen mithalten konnten, nicht zuletzt in der engen Verknüpfung von Theorie und Praxis. Aber leider nicht des formalen Status eines akademischen Lehrgangs bieten konnten. Ein Manko übrigens, das leider bis heute weiter besteht, was ich schade finde, da sich die Erwachsenenbildung in ihrer Ausbildungsqualität nicht vor universitären Einrichtungen verstecken muss.
Andererseits war mir die Arbeit des Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung auch noch aus meiner Zeit an der VHS Ottakring vertraut. Denn dort wurde das Pilotprojekt „Interkulturelle Lernbetreuung“ (kurz: IKL) entwickelt, das dann Anfang der 1990er Jahre im Rahmen der Wiener Volkshochschulen als wienweite mehrsprachige Lernbetreuung für Kinder an Wiener Pflichtschulen ausgerollt wurde. Mit diesem Projekt verbunden war eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung innerhalb der Wiener Volkshochschulen zu Fragen der interkulturellen und mehrsprachigen Kinderbildung, zu der wir als VHS Ottakring mit unserer Erfahrung wesentlich beitragen konnten. Nach der überraschenden und ziemlich abrupten Beendigung dieses Projekts im Rahmen der VHS nach nur wenigen Jahren wurden dann zahlreiche ehemalige Mitarbeiter:innen des IKL Projekts im 1995 neu gegründeten Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung übernommen, die mit ihrem wertvollen Kompetenzen dort ein neues Arbeitsfeld fanden. Und ich würde dann später auch etliche von ihnen, die ich noch aus der damaligen Zusammenarbeit in der VHS kannte, dort wiedertreffen.
Ich begann mich in Folge mich weiter vertiefend mit dem Verein Wiener und Jugendbetreuung und dessen Arbeit und Wirkungsfeld auseinanderzusetzen. Und mir wurde dabei rasch klar, dass das der Ort war, an dem ich künftig wirken wollte.
Start als neuer Geschäftsführer des Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung
Ich entwarf ausgehend von den mir zur Verfügung stehenden Informationen mögliche Zukunftsstrategien und -szenarien und präsentierte diese Konzepte und Ideen auch im Zuge des mehrstufigen Bewerbungsprozesses. Und wurde dann auf dieser Basis dann Ende des Jahres von der Stadt Wien als neuer Geschäftsführer bestellt.
Der Start in dieser neuen Aufgabe war für mich gekennzeichnet von einer Mischung aus Entdecken und Lernbereitschaft einerseits und andererseits dem Anliegen, meine Erfahrung in die Stärkung der Arbeit der Freizeitpädagogik an Schulen einzubringen.
Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit in den ersten Wochen und Monaten bestand daher sowohl im Fragen und Zuhören als auch im Erzählen. Mit vielen Gesprächen in der Zentrale, in direkten Austausch mit den Pädagog:innen bei Großveranstaltungen der internen Fortbildung, aber vor allem mit zahlreichen Standortbesuchen, um die Teams und ihr Arbeitsumfeld an den Schulen gut kennenzulernen. Und auch, um in den persönlichen Austausch mit den jeweiligen Schulleitungen zu gehen, ebenso wie fallweise auch mit den jeweiligen Elternvertreter:innen. Und so konnte ich im ersten Jahr viele neue Eindrücke durch diese immer wieder spannenden, wenn auch oft herausfordernden Begegnungen gewinnen.
Diese Eindrücke bestärkten mich in meiner Sicht, dass die Freizeitpädagog:innen mit ihren Zugängen und Möglichkeiten einen einzigartigen Beitrag für die Bildungsarbeit mit Kindern leisten konnten. Nicht zuletzt aufgrund ihrer außergewöhnlichen Diversität, ihrer mit- und eingebrachten vielfältigen Lebens- und Berufserfahrungen. Womit sie den Schulen und den Kindern viele Fenster zur Welt öffnen konnten.
Ich realisierte zugleich aber auch, dass diese Arbeit, ihre mögliche Wirkung und das Potenzial, das darin lag, vielfach unterschätzt und unterbewertet oder sogar abgewertet wurden. Innerhalb des Schulsystems, bei den involvierten Eltern, ebenso wie in der Öffentlichkeit. Und zudem auch viel zu wenig sichtbar war.
Darum war es für mich eines der dringlichsten Ziele, die Arbeit der Freizeitpädagog:innen an den Schulen in ihrem Stellenwert zu stärken und sichtbarer zu machen. Als Beitrag der gemeinsamen pädagogischen Arbeit an ganztägigen Schulen mit speziellen Qualitäten, in guter Zusammenarbeit und auf Augenhöhe mit den Lehrkräften. Und nicht als betreuende Hilfskräfte, als die sie leider durchaus oft sowohl betrachtet und auch so abgehandelt wurden.
Die besonderen Qualitäten der schulischen Freizeitpädagogik sichtbar machen
Ein wichtiger nicht nur symbolischer Schritt war dabei, sie nicht mehr als „Freizeitbetreuer:innen“ zu bezeichnen, wie es damals durchaus gängig war, sondern viel zutreffender als „Freizeitpädagog:innen“. Weil ihre Arbeit eben eine pädagogische war, und nicht bloße „Betreuung“ im engeren Sinn, also als reine Beaufsichtigung und allenfalls Beschäftigung der Kinder, wie etwa in der Kinderbetreuung eines Einkaufszentrums. Eine pädagogische Arbeit, die in sinnvoller Verbindung mit der Unterrichtstätigkeit der Lehrer:innen wirken kann und einen entscheidenden Vorteil hat: Freizeitpädagog:innen müssen keinen Lehrplan durchziehen und Bewertungen durch Noten erteilen. Sie sind daher wichtige Bezugspersonen für Kinder außerhalb des leider üblichen Leistungsdrucks und Prüfungsstresses an Schulen und können direkt bei den aktuellen Bedürfnissen der Kinder anknüpfen.
Es war ein zäher Weg, durchaus vergleichbar mit jenem im Kindergartenbereich von der „Kindergartentante“ zur Elementarpädagog:in. Und ich freue mich, dass inzwischen, fast 10 Jahre später, ganz selbstverständlich von „Freizeitpädagog:innen“ gesprochen wird, und längst nicht mehr von „Betreuer:innen“. Was die Arbeit an Schulen und deren Wahrnehmung auf Augenhöhe betrifft, ist dieser Weg allerdings nicht nicht ganz zu Ende gegangen, da gibt es durchaus vielerorts noch Luft nach oben. Aber auch diesbezüglich ist in diesen Jahren viele weitergegangen.
Ein besonderer Aspekt war und ist dabei die bereits erwähnte soziale und kulturelle Diversität der Freizeitpädagog:innen. Sie können damit eine Brücke zu den Kinder, ihren Familien und deren sehr unterschiedliche Lebensrealitäten bilden und zugleich mit ihren eigenen Bildungswegen auch bestärkendes „Role Model“ sein, weil viele von ihnen selbst aus ähnlichen sozialen Kontexten kommen und oft auch trotz Bildungsbenachteiligung und struktureller Diskriminierungshürden ihre eigenen Wege gefunden haben und diese auch gegangen sind. Und sie übernehmen damit nicht nur pädagogische Aufgaben im engeren Sinn, sondern wirken sehr stark auch sozial-integrativ.
"Unsere Schule spricht viele Sprachen"
Ein einzigartige Ressource ist dabei die von vielen mitgebrachte Mehrsprachigkeit. Die bis dato sowohl innerhalb des Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung als auch an den Schulen im besten Fall ignoriert, aber leider oft auch als problembehaftete Abweichung oder gar Störung betrachtet wurde. Und die mit dem Stehplatz: „Die können nicht ordentlich Deutsch!“ vom Tisch gewischt wurde.
Manchmal mit besonders abfälligen Aussagen wie: „Wenn ich die Deutsch reden höre, dann rollt’s mir die Zehennägel auf!“ Ich machte mir dann in diesem konkreten Fall ein persönliches Bild davon, durch ein persönliches Gespräch mit den beiden derart attributwerten Freizeitpädagog:innen. Ich konnte mich interessanterweise problemlos uns angeregt mit den beiden auf Deutsch inhaltlich austauschen und meine Zehennägel blieben dabei völlig gelassen. Und ich konnte - auch mit meinem fachlichen Blick als ehemaliger Deutschkursleiter - nicht nachvollziehen, worin das massive Problem bei den Deutschkenntnissen der beiden Mitarbeiter:innen bestehen sollte. Sondern konnte nur vermuten, dass dies vielmehr der ablehnenden Haltung den beiden gegenüber aufgrund deren Herkunft entsprang.
Und solche Wahrnehmungen waren leider nicht nur ein Einzelfall.
Übersehen und ignoriert wurde dabei oft, dass die Freizeitpädagog:innen mit ihrer kulturellen Diversität und Mehrsprachigkeit eine einzigartige Bereicherung in die ansonsten vielerorts personell immer noch ziemlich monokulturell und monolingual aufgestellten Schulen einbrachten. Im Gegenteil, ich hatte durchaus den Eindruck, dass diese interkulturelle, mehrsprachige Öffnung von Manchen eher als Bedrohung der bestehenden Schulkultur wahrgenommen wurde.
Eine Versachlichung der Diskussion, und darauf aufbauend Rückenstärkung einerseits und Überzeugungsarbeit andererseits waren angesagt. Bei den Freizeitpädagog:innen selbst, in der Zentrale, aber ganz besonders bei Schulleitungen, Lehrkräften und Eltern.
Etwa indem mit dem verbreiteten Mythos aufgeräumt wird, Kinder könnten von Pädagog:innen ein „falsches Deutsch“ lernen, was den sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht, wie Spracherwerbsprozesse bei Kinder tatsächlich ablaufen. Aber sich offensichtlich in vielen Köpfen als Vorurteil festgesetzt hat.
Und als Beitrag zur Versachlichung und Evidenzfundierung einmal zu erheben, welche mündlichen und schriftlichen Kompetenzen Freizeitpädagog:innen im ihren Arbeitsalltag und der Kommunikation mit den Kindern, aber ebenso innerhalb der Schule bzw. mit den Eltern eigentlich tatsächlich benötigten. Was bisher noch nie erfolgt war. Ich beauftragte mit dieser Praxisanalyse Expert:innen des „lernraum“ Instituts der Wiener Volkshochschulen, die dann auf Basis des so erstellten Sprachkompetenzrasters ein Erhebungstool entwickelten, das in Auswahlverfahren gut handhabbar integriert werden konnte.
Und um unsere Pädagog:innen zu ermutigen und zu unterstützen, ihre mitgebrachte Mehrsprachigkeit in die Arbeit mit den Kindern in den Schulen sinnvoll einzubringen, ließ ich in Folge einen Leitfaden unter dem Titel „Unsere Schule spricht viele Sprachen“ mit Informationen und Handlungsvorschlägen entwickeln und erstellen, der nicht nur den Freizeitpädagog:innen, sondern unter anderem auch den Schulleitungen zur Verfügung gestellt wurde.
Kultur des Vertrauens und offene Kommunikation
Diese Stärkung einer vielfältigen Freizeitpädagogik war eingebettet in eine völlige Neuausrichtung des Umgangs miteinander und der internen Kommunikation. Mit einer Kultur des Vertrauens und einer Kommunikation, die auf Offenheit, Dialog und Wertschätzung setzte, statt auf Misstrauen, autoritäre Befehlsausgabe und Abwertung.
Ich kann mich noch erinnern, welche fast ungläubige Verwunderung es auslöste, als ich mich die ersten Male bei Großveranstaltungen auftauchte und mich einfach auf die Bühne stellte und mich den Fragen ebenso wie der Kritik der Mitarbeiter:innen stellte. Und dann auch sehr offen darauf antwortete, versuchte, zu erläutern, Einblicke zu geben und klar zu sagen, was ich dazu denke. Und nicht in Allgemeinplätze auszuweichen und um den heißen Brei herum zu reden. Auch wenn nicht jede Antwort und Aussage von mir jeden und jede inhaltlich zufrieden stellte - was ja auch gar nicht möglich ist. Ich stellte klar, was aus meiner Sicht möglich ist und was nicht, und auch immer mit einer möglichst nachvollziehbaren Begründung, warum oder warum nicht.
Weil ich mir denke, dass Mitarbeiter:innen ein Recht auf diese Ehrlichkeit habe. Und auch ich selbst es als durchaus befreiend erlebt habe, Klartext zu sprechen. Auch wenn das auch immer wieder durchaus sehr herausfordernd und anstrengend war, mich allen Fragen und vor allem auch der Kritik zu stellen.
Parallel dazu richtete sich in einer Verantwortung als Geschäftsführer meine Aufmerksamkeit auf die internen Strukturen und Abläufe im Verein. Da wurde für mich rasch sichtbar, dass Vieles davon weder zeitgemäß noch der inzwischen erreichten Größe der Organisation angemessen war.
Und ich begann in Abstimmung mit dem Vereinsvorstand und der Stadt Wien rasch Schritte zur Professionalisierung und Reorganisation des überalterten Rahmens zu setzen, von den Vereinsstatuten über die Leitungsstrukturen in der Zentrale bis hin zum Auslichten der überbordenden Kontrollbürokratie und dem konsequenten Hinterfragen der Sinnhaftigkeit von Regelungen und Abläufen. Hin zu mehr Vertrauen und Selbstverantwortung, sowohl in der Zentrale als auch an den Standorten.
Letzteres vor allem durch die Einführung einer bisher noch nicht existierenden Funktion, nämlich von Teamleitungen an den Schulen, gemeinsam mit einem Regionalmanagement als deren Gegenüber in der Zentrale. Eine Funktion, die bei ihrer Einführung auf massive Skepsis, zum Teil auch offene Ablehnung vor allem seitens mancher Schulleitungen stieß, die aber heute aus dem Schulbetrieb nicht mehr wegzudenken ist und als wesentliche Entlastung im Schulmanagement gesehen wird.
Reorganisationsbedarf
Die von mir vorangetriebenen Veränderungsprozesse erhielt dann nochmals massiven Rückenwind durch einen Prüfbericht des Bundesrechnungshofs im Jahr 2018, der schwerwiegende Mängel im früheren Vereinsmanagement offenlegte, etwa in Hinblick auf mangelnde Transparenz, fehlende sachliche Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und Regelungen und unzureichende Kontrollstrukturen. Zugleich bestätigte der Prüfbericht auch, dass die von mir als Geschäftsführer in diesem ersten Jahr bereits etliche Veränderungsschritte in die richtige Richtung gesetzt worden oder zumindest veranlasst wurden, und diese konsequent weitergetrieben und vertieft werden sollten.
Leider löste dieser Rechnungshofbericht auch ein beträchtliches negatives mediales Echo aus, das den Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung und damit indirekt auch die Wahrnehmung der pädagogische Arbeit der Freizeitpädagog:innen (die von dieser Kritik eigentlich nicht betroffen war) massiv beschädigte. Mir war klar, dass wir rasch und kompromisslos Schritte für eine Bereinigung der Altlasten und einen Neustart setzen mussten. Und ich erhielt auf der Basis meiner Vorschläge den Auftrag der Stadt Wien, den Verein in den bisherigen Form zu schließen und die Organisation als gemeinnützige GmbH der Stadt Wien, mit klaren und transparenten Kontrollstrukturen, neu aufzusetzen. Nach einem gemeinsamen Brainstorming war dann auch der passende Name dieses neuen Bildungsunternehmens gefunden: Die BiM - Bildung im Mittelpunkt GmbH.
Meine Aufgabe war nun, diesen Übergangsprozess vom alten Verein zur neu zu gegründenden BiM GmbH in allen rechtlichen und organisatorischen Aspekten vorzubereiten und dann auch in relativ kurzer Zeit, nämlich bis Ende des Jahres umzusetzen.
Ein Vorgang, der mir nicht neu war. Hatte ich doch zehn Jahre zuvor die Zusammenführung der 18 Wiener Volkshochschulvereine zu einer gemeinsamen VHS GmbH mitorganisiert und letztendlich auch verantwortlich auf den Boden gebracht. Diese wertvollen Erfahrungen konnte ich in den laufenden Reorganisationsprozess einbringen und sie trugen sicherlich dazu bei, dass wir gemeinsam mit der Stadt Wien diese Transformation dann auch zeitgerecht und gut abschließen konnten. Und mit Jänner 2019 nahm dann die neu gegründete BiM GmbH ihre Arbeit auf. Für die zu diesem Zeitpunkt etwa 1.500 Freizeitpädagog:innen änderte sich wenig und doch viel. Arbeitsrechtlich war das ein gesicherter Vorgang, nachdem es sich um einen Betriebsübergang mit der Wahrung aller Rechte und Pflichten handelte. Und im Prinzip änderte sich nur der Name des Dienstgebers am Dienstvertrag und am Gehaltszettel.
Und doch bedeutete das durchaus für viele eine spürbare Veränderung. Die identitätsbildende Wiener Kinder- und Jugendbetreuung, die für viele intern wie extern einfach „der Verein“ gewesen war, gab es nun nach über 20 Jahren plötzlich nicht mehr. Und anstelle des Begriffs „Betreuung“ war nun der Begriff „Bildung“ in den Namen unserer Organisation getreten.
Womit sich einige vorerst schwer taten, wie mir unter anderem bei der offenen Diskussion anlässlich des Kick-off-Events für die neue GmbH in der Wiener Stadthalle bewusst wurde. Denn zu meiner Überraschung war es für manche ein Problem, ihre freizeitpädagogische Arbeit mit „Bildung“ in Verbindung zu bringen. Weil es doch „Freizeit“ wäre und nicht „Bildung“ im Sinn von Unterricht. Mir wurde dadurch klar, dass noch gemeinsam viel über unseren Bildungsbegriff reden müssten und unserem Verständnis von Freizeitpädagogik als integrierter Teil einer schulischen Bildung. Nicht nur außen außen, sondern auch intern. Eines Begriffs von Bildung in einer Schule, die nicht nur auf Unterricht als deren Kern ausgerichtet ist, sondern ebenso sich als vielfältiger und offener Erfahrungsraum versteht. Ein Begriff von Bildung, die nicht nur auf das kognitive Lernen, sondern ebenso auf das soziale und emotionale Lernen abzielt.
Ausblick
Es war nun somit der rechtliche Rahmen für den Neustart gesetzt, es gab die neu gegründete GmbH, es gab eine Geschäftsführung und neu bestellte Prokurist:innen, und es gab einen soeben konstituierten Aufsichtsrat als Kontrollgremium. Dieser Rahmen musste nun mit von Grund auf erneuerten, zeitgemäßen und gut funktionierenden Management - und Organisationssystemen gefüllt und eingerichtet werden.
Zugleich klopften mögliche spannende neue inhaltliche Aufgaben und Projekte an die Tür der BiM, etwa die sich gerade entwickelnden Summer City Camps als neues wienweites Ferienprogramm der Stadt Wien. Wie wir das alles in Folge in der BiM auf- und ausgebaut haben, darüber erzähle ich dann gerne in einem weiteren Beitrag.
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